Bewerber professionell auswählen: Handbuch für Personalverantwortliche


 
Kurz, knapp, übersichtlich, pragmatisch
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(TOP 1000 REZENSENT)    Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Bewerber professionell auswählen: Handbuch für Personalverantwortliche (Gebundene Ausgabe) 'Bewerber professionell auswählen' ist eine hervorragende Einführung in dei Thematik Personalauswahl. Das gut geschriebene Buch glänzt mit einer knappen und pragmatisch orientierten Übersicht über das Thema, der sich trotz der relativen Kürze von rund 160 Seiten auch einige einfach an die eigene Praxis adaptierbare Verfahren, Frage- und Bewertungsbögen entnehmen lassen. Wer Vollständigkeit (und vollständig beschriebene Verfahren & Unterlagen) erwartet, wird allerdings enttäuscht sein (zumal der Umschlagstext mehr verspricht, als das Buch letztlich halten kann). Dafür ist das Buch zu kompakt und das Thema zu umfangreich. Doch wer sich durch den Text zwischen den (erfreulich stabilen) Buchdeckeln gelesen hat, dürfte ein gutes Verständnis davon entwickelt haben, was zu einem systematischen, auf objektive Kriterien abgestützen Verfahren gehört.

Doch was bietet das Buch? Grundaussage des Autors ist, dass ein professionelles Verfahren zur Personalauswahl vor allem ein systematisches Verfahren ist, das ausgehend vom Anforderungsprofil einer Stelle Frage- und Beobachtungsschemata ableitet und diese, mit dem nötigen fragetechnischen Geschick, am Kandidaten prüft.

Die Arbeit beginnt mit der Erarbeitung des Job-Designs sowie der Kriterien an die Kandidaten auf Basis eines Anforderungsprofils. Das Prinzip liegt auf der Hand: "Jedes Auswahlinterview ist maximal so gut wie das Anforderungsprofil differenziert und realistisch ist" (S.13). Der Autor zeigt, wie sich diese Kriterien mit Hilfe des Critical Incidence Verfahrens ableiten lassen. Die Entwicklung von Stellenanzeigen und deren Platzierung schliesst das erste Kapitel zur Vorbereitung des Einstellungsverfahrens.

Der zweite Schritt ist das Auswahlverfahren. Der Autor beschreibt die Problematik der Zeugnisse, auf deren Basis keine langfristigen Prognosen möglich sind. Er zeigt Regeln auf, nach denen sich kodierte Zeugnisse lesen lassen.

Der dritte Schritt: Das Auswahlgespräch. Vorbedingung ist, dass Interviews nicht unsystematisch, gar intuitiv geführt werden dürfen, soll das Ergebnis valide und objektiv sein. Der Autor beschreibt, wie man aus dem Anforderungsprofil beobachtbare Verhaltensweisen ableitet und diese im Interview prüft. Wichtiges Werkzeug dabei ist die Netzwerktechnik des Fragens: Durch sytematische Verknüpfung der Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft lassen sich Prognosen über zu erwartendes Verhalten ableiten. Besonders hilfreich für die eigenen Praxis sind die ausführichen Fragekataloge (S. 89 - 110) zu den persönlichen Eigenschaften wie Führungsanspruch oder Selbstvertrauen sowie, im Anschluss, die strukturierten Beobachtungsbögen. Es folgen Hinweise, wie solche Fragebögen entwicklet werden. Das Kapitel schliesst mit einem Katalog jener verbotenen Fragen, die in Interviews nicht gestellt werden dürfen.

Das letzte grosse Kapitel des Buchs ist den unerstützenden Verfahren gewidmet. Es beginnt mit der wichtigen, die vorhergehenden Verfahren ein Stück weit relativierenden Feststellung, dass wissenschaftlich abgestützte Tests immer besser sind als noch so systematisch geführte Interviews. Leider taugen die meist in klinischen Situationen entwicklten Eignungsdiagnostischen Verfahren nur bedingt für die Personalauswahl. Ein Beispiel für solche Verfahren ist der biographische Fragebogen, der etwa 35% des späteren Verhaltens voraussagt (doch welche 35%? Die Antwort bleibt der Autor leider schuldig). Ein Beispiel für einen solchen Fragebogen liegt bei, leider jedoch ohne Bewertungschema.

Breiten Raum nimmt in diesem Kapitel das Thema Assessment-Center ein (S. 136 -160). Diese weisen eine relativ hohe Validität auf, die deutlich höher liegt als die anderer eignungsdiagnostischer Verfahren. Leider bleibt der Autor bei dem Thema Assessment-Center eher im Allgemein und wird nicht annähernd so konkret wie in den vorherigen Kapiteln. Dieser Abschnitt taugt bestenfalls als kurze Einführung in die Thematik. Die Literaturhinweise sind in diesem Abschnitt eher düftig im Umfang und müssen vermutlich als veraltet gelten.

'Bewerber professionel auswählen' bietet eine knappe und eîn einigen Teilen sehr pragmatische Übersicht über die Verfahren zur Personalauswahl. Leider bleibt die pragmatische Seite Stückwerk. Und obwohl die wissenschatlich abgestützen diagnostischen Verfahren als die sichersten Prognoseverfahren gelten, ist das Buch auf dieser Seite eher schmalbrüstig.

Eine letzte Kritik, die vor allem jene interessiert, die die fachliche Seite von Kandidaten zu prüfen haben: Das Buch beschränkt sich ausschliesslich auf die Bewertung von Kandidaten in Bezug auf Verhaltensweisen. Es bietet keine Hilfe bei der Erarbeitung systematischer Verfahren zur Bewertung fachlicher Eignung. Dabei macht fachliche Eignung bei der Mehrzahl der Stellen wenigstens die Hälfte des Anforderungsprofils aus. Kein Wort zu Systematiken bei der Bewertung von Arbeitsproben, keine Hilfestellung bei der Erstellung fachlich valider Frageschemata. Das ist schade, ist aber eine in der HR-Literatur leider übliche Auslassung.

Dieses Buch ist eine hervorragende Einführung in die Thematik Personalauswahl. Es ist ein Leitfaden, den jeder, der an Personalauswahl (in Beruf oder Freitzeit, im Unternehmen oder im Verein) beteiligt ist, mit Gewinn liest. Es hilft, die notwendige Systematik in solchen Verfahren zu verstehen und gibt erste Hilfe für den Aufbau solcher Verfahren für eigene Bedürfnisse. Für wen Personalauswahl jedoch ein wesentlicher Bestandteil der beruflichen Tätigkeit ist, für den ist dieses Buch bestenfalls ein schneller Einstieg.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. November 2010
Kundenrezensionen:
3. Absolut empfehlenswert und praxisgerecht
2. Kurz, knapp, übersichtlich, pragmatisch (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Ein sehr brauchbares Hilfsmittel
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